Der ganze Reibach mit den Online-Produkttests

Zuletzt aktualisiert am 18. Februar 2021
Veröffentlicht am 23. Januar 2018

Matratzen werden zunehmend Online gekauft, machen doch in letzter Zeit einige Start-ups von sich reden, die ihre Schlafunterlage als faire, günstige und coole Alternative zum Händler an der Ecke präsentieren. Auf der Suche nach Orientierung im Dschungel der Angebote greifen Kunden immer öfter auf Testberichte im Internet zurück. Oft fanden die beworbenen Tests aber gar nicht statt und wer wirklich hinter diesen vermeintlich objektiven Tests steht bleibt offen.

Ein Blick hinter die Kulissen

Wer vor einem Kauf im Internet schon einmal nach Informationen zu bestimmten Produkten gesucht hat, kennt es: die Recherche im Internet beginnt meist mit Suchbegriffen wie „matratzen test“ und schon tauchen unzählige Onlineportale wie z.B. „matrazten-test.domain“ auf. Auf den entsprechenden Seiten finden sich Vergleiche und Informationen aus der jeweiligen Produktkategorie und meistens auch ein oder mehrere „Testsieger“. Über 50 Prozent der Verbraucher vertrauen laut der Gesellschaft für Konsumforschung auf solche Testsiegel. Gerade bei Matratzen scheint die Ahnungslosigkeit der Kunden erschreckend groß zu sein, denn bei keiner anderen Produktkategorie wird so oft der Rat der Stiftung Warentest gesucht. Das Problem ist die fragwürdige Unabhängigkeit der vergleichenden Portale. Als Verbraucher wisse man nicht, ob die Produkttest wirklich stattgefunden haben und welche Kriterien zugrunde gelegt wurden, erklärt Kerstin Hoppe, Referentin im Team Rechtsdurchsetzung beim Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV). Immer öfter vermitteln die Testportale offenbar absichtlich den Eindruck, eigene Tests durchgeführt zu haben. Wer das Produkt dann kaufen will, wird zum Online-Shop des Anbieters weitergeleitet und das Portal bekommt eine Provision. Für die Verbraucher bleibt dabei nicht nachvollziehbar, ob die „Tests“ tatsächlich stattgefunden haben, oder ob die Platzierungen der getesteten Unternehmen einfach erkauft sind. Das Ausmaß der Problematik wird anhand einer Studie von Testberichte.de deutlich: Demnach seien 34,6% der untersuchten Testseiten im Internet „fake“. Auch
wenn mehrere Betreiber von dubiosen Testseiten bereits von der Verbraucherzentrale abgemahnt wurden, gibt es hierzu leider noch keinen Entwurf für eine gesetzliche Regelung. Besonders gängig sei die Praxis der Fake-Testseiten laut einem Beitrag des rbb-online im hart umkämpften Matratzenmarkt. So räumten einige Matratzen Start-ups in dem Bericht ein, die Testportale bezahlt zu haben.

Die ehrliche Matratze macht da nicht mit

Anders machen möchte es das Snooze Project, ein junges Matratzen Start-up aus Berlin, das auf Transparenz und Aufklärung setzt. In einem Beitrag auf ihrer Seite (snoozeproject.de/matratzentestsieger) möchten Sie Verbraucher dazu anregen Quellen und deren Interessen selbständig zu hinterfragen. “Mit Sicherheit sei es möglich die Verkaufszahlen mit der Teilnahme bei solchen Vergleichsseiten deutlich zu steigern”, so Behr von Snooze Project, “doch bei dieser Art von Marketing möchten wir nicht mitmachen. Lieber wachsen wir stattdessen langsamer, aber ehrlich.“