Echtholz

Echtholz

Echtholz: Klingt natürlich − aber ist es das auch wirklich?

Echtholz: Allein der Begriff weckt doch gleich angenehme Assoziationen zu Bäumen, zwitschernden Vögeln und unberührter Natur, oder? In Wahrheit waren hier mal wieder ausgebuffte Marketingprofis am Werk, denn Echtholz ist zwar echtes Holz, aber ziemlich weit entfernt von seiner natürlich vorkommenden Form. Dass Echtholzmöbel vergleichsweise preisgünstig sind, liegt an kleinen, aber feinen Unterschieden zu Möbeln aus Voll- oder Massivholz.

Echtholz: Bedeutung und Definition

Die Bezeichnung Echtholz wird als Sammelbegriff für sämtliche Materialien benutzt, die ihren Ursprung in echtem, natürlich gewachsenem Holz haben. Echtholz-Möbel können daher aus hochwertigem Voll- oder Massivholz, aber auch aus lediglich dünn mit echtem Holz furnierten Spanplatten oder MDF-Platten bestehen. Der absichtlich ungenaue Begriff Echtholz dient vor allem Marketingzwecken: Hersteller wecken damit angenehme Assoziationen zu Natürlichkeit und Langlebigkeit.

Von Echtholz ist also immer dann die Rede, wenn an der gesamten Oberfläche eines Möbelstücks echtes Holz zu sehen ist. Glücklicherweise wird die verwirrende Kennzeichnung „Echtholz“ inzwischen aber immer seltener benutzt. Vielleicht haben Möbel-Anbieter ja läuten hören, dass sich moderne Verbraucher ungern in die Irre führen lassen? Mittlerweile haben sich präzisere, der Möbelnorm DIN 68871 („Möbel – Bezeichnungen und deren Anwendung“) entsprechende Ausdrücke wie „Vollholz“, „Massivholz“, „teilmassiv“ oder „echtholzfurniert“ weitestgehend durchgesetzt.

Die Verarbeitung: Vom Baum zur Echtholz-Platte

Bei den meisten Holzwerkstoffplatten ähneln sich die einzelnen Produktionsschritte sehr. Für Faserplatten wie die groben OSB- oder Spanplatten oder die feineren MDF- oder Weichfaserplatten werden nicht nutzbare Holzreste, wie sie bei der Produktion von Bohlen und Brettern anfallen, stark getrocknet, mit Leim und/oder Bindemitteln vermengt und bei hohen Temperaturen bis ca. 250° C zu Platten gepresst. Vor dem Verbauen zu Echtholzmöbeln werden Faserplatten an ihren Außenseiten mit dünnen Holzschichten furniert.

Furnierplatten wie Sperrholz oder Multiplex bestehen hingegen aus vielen dünnen Furnierholz-Schichten, die meist aus speziell vorbehandeltem Holz geschnitten werden. Die Schichten werden beleimt und übereinander gelegt, ehe sie schließlich in Pressen unter hohem Druck und Temperaturen von rund 150° C fest miteinander verbunden werden.

Mit am hochwertigsten unter den Werkstoffplatten sind Stab- und Stäbchensperrholz, da sie den höchsten Holzanteil aufweisen und durch ihre Stäbchenstruktur besonders stabil sind. Sie werden aus verleimten Holzstreifen und außen aufliegenden Furnierholzschichten gefertigt. Schon während ihrer Produktion wird zwischen wetterfester und nicht wetterfester Verleimung unterschieden, sodass sich manche Sorten im Gegensatz zu den restlichen Holzwerkstoffplatten auch für den Außenbereich eignen.

Liste: Holzwerkstoffplatten in Echtholz-Möbeln, sortiert nach Leimanteil

  • Spanplatte (höchster Leimanteil)
  • Mitteldichte Faserplatte (=MDF-Platte)
  • Weichfaserplatte
  • Hartfaserplatte
  • Grobspanplatte
  • Biegesperrholz
  • Sperrholz
  • Multiplexplatte
  • Siebdruckplatte
  • Tischlerplatte
  • Stäbchenplatte
  • Leimholzplatte (geringster Leimanteil)

Gibt es einen Unterschied zwischen Massivholz und Echtholz?

Um es kurz zu sagen: Jein! Im Grunde verhält es sich so, dass mit Echtholz jedes Material gemeint sein kann, dass zumindest zum Großteil aus Holz besteht. Das gilt logischerweise für jedes Vollholz und Massivholz − doch selbst minderwertige Spanplatten können immerhin noch zu etwa 80 bis 85 Prozent aus zerkleinertem Holz bestehen. Massivholz und Vollholz sind also immer Echtholz − aber Echtholz ist nicht automatisch massives Holz!

Da die meisten Anbieter hochwertige Möbel aus natürlich im Stück gewachsenem Holz sowieso als „massiv“ anpreisen, taucht der irreführende Begriff „Echtholz“ in diesem Zusammenhang kaum mehr auf. Werden Möbel heutzutage noch als Echtholzmöbel angeboten, handelt es sich fast immer um Betten, Schränke oder Regale, bei denen bestimmte Teile (z. B. Seitenteile) oder sogar sämtliche Bauteile aus echtholzfurnierten Faserplatten bzw. Holzwerkstoffplatten hergestellt werden.

Woraus genau bestehen Echtholz-Möbel?

Genau diese Frage offenbart eines der größten Verbraucher-Probleme mit der Bezeichnung „Echtholz“: Man weiß einfach nicht, was man bekommt, weil sich eine Vielzahl unterschiedlichster Baumaterialien hinter demselben Begriff verbergen kann. Nehmen wir doch mal ein Eiche-Echtholz-Bett als Beispiel: Bei diesem Angebot solltest Du sofort hellhörig werden und genauer nachfragen.

Durchaus möglich, dass es sich tatsächlich um ein massives Bett aus exquisitem Vollholz oder Massivholz handelt − aber leider unwahrscheinlich. Meist sind zumindest einzelne Bauteile sogenannter Echtholz-Betten lediglich mit einem hauchdünnen Furnier aus echtem Holz beklebt, während ihr Innenleben aus billigeren Holzprodukten besteht. Die korrekte Bezeichnung für so ein Bett müsste in etwa lauten: „Eichenbett teilmassiv, Seitenteile Echtholz furniert“.

Steht nirgends etwas von „teilmassiv“, könnte unser „Bett Eiche Echtholz“ womöglich sogar komplett aus holzfurnierten MDF- oder Spanplatten bestehen. Von außen würdest Du es vielleicht nicht gleich bemerken, da alle Oberflächen wie Holz aussehen und sich auch so anfühlen. „Echtholz“ kann also auch bedeuten, dass der gesamte Möbelkorpus aus irgendeinem Holzwerkstoff gefertigt wurde, der aus optischen Gründen oberflächlich mit dünnem Echtholzfurnier beleimt worden ist.

Unser Kauftipp: Sobald Du „Echtholz“ liest, solltest Du hartnäckig nachhaken, welche Materialien denn nun dahinter stecken! Nur anhand genauer Informationen kannst Du herausfinden, ob Dein Traumbett seinen Kaufpreis auch wirklich wert ist.

Echtholz-Bett: Vorteile und Nachteile (mit Liste)

Für die meisten Kaufinteressenten gelten Vollholz oder zumindest Massivholz als Nonplusultra unter den Materialien − doch beide sind je nach Holzart nicht gerade billig. Und da wir gerade schon über Holzarten reden: So ein wuchtiges Doppelbett in Eiche massiv wirft spätestens bei nächsten Umzug die spannende Frage nach dem Transport auf. Wer hätte schon gedacht, dass Holz dermaßen schwer sein kann?!

Teilmassive Echtholz-Betten sind meistens teurer, aber tendenziell auch hochwertiger als Modelle, die komplett aus holzfurnierten Werkstoffplatten bestehen. Beide Arten gelten als Echtholzmöbel und können durchaus Vorteile haben, denn ihre Materialien sind preisgünstiger und meist auch leichter als Massivholz. Wenn Du häufig umziehst, kann der Kauf eines leichten Echtholzbetts also absolut sinnvoll sein.

Während sich massives Holz durch Schwankungen der Raumtemperatur oder -feuchtigkeit verziehen kann und manchmal sogar reißt, bleiben Werkstoffplatten dank ihrer kleinteiligen Struktur übrigens weitestgehend formstabil. Nur beim späteren Umgang mit Deinen echtholzfurnierten Möbeln solltest Du darauf achten, immer beide Seiten eines Bauteils gleich zu behandeln (also zu lackieren, ölen oder wachsen), da sich die Platte sonst unschön zu einer Seite hin verbiegen könnte.

Echtholzmöbel aus holzfurnierten Werkstoffplatten: Vorteile (Liste)

  • Optik ähnelt Massivholzmöbeln
  • preisgünstig
  • oft leichter als massive Holzmöbel
  • formstabil

Echtholzmöbel aus holzfurnierten Werkstoffplatten: Nachteile (Liste) 

  • Ausgasung von Formaldehyd möglich
  • Stabilität abhängig von Werkstoffart & Zubehör


Dass Faser- und Spanplatten bestimmte Nachteile haben, hat sich in ihrem schlechten Ruf manifestiert − dabei sind längst nicht alle Echtholz-Möbel davon betroffen. Weil vor allem Faserplatten aufgrund der enthaltenen Bindemittel Formaldehyd an die Raumluft abgeben können, solltest Du beim Kauf sogenannter Echtholzmöbel immer auf Umweltsiegel achten. Der Blaue Engel für emissionsarme Holzwerkstoffe ist ein Zeichen dafür, dass die Belastung nicht signifikant höher ist als bei massivem Holz.

Dass Echtholzbetten weniger stabil sind als solche aus Voll- oder Massivholz, stimmt nicht generell: Es gibt Möbel aus hochwertigen MDF-Platten, die nicht nur wie Massivholzmöbel aussehen, sondern auch ähnlich belastbar sind. Die Robustheit von Echtholzmöbeln bzw. teilmassiven Möbeln hängt nicht nur von den Holzwerkstoffen, sondern auch von der Qualität der Verbindungsteile wie Schrauben, Dübel und Winkel ab.

Sofern das Gesamtpaket stimmt, kann ein Echtholzbett genauso langlebig sein wie eines aus Massivholz − allerdings lässt sich das oft erst zuhause beim Aufbau zuverlässig beurteilen. Da hochwertige Echtholzmöbel aber nicht viel preisgünstiger sind als manche Massivholzmöbel, kann es sich lohnen, wenn Du Dich in beiden Sortimenten nach Deinem neuen Bett umschaust.

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