Memory Effekt

Zuletzt aktualisiert am 26. August 2021
Veröffentlicht am 5. Dezember 2020

Einleitung

Wer sich heute einen Überblick über die Matratzen-Landschaft verschaffen will, sollte gut ausgeschlafen sein. Denn das Angebot ist groß, vielfältig und bisweilen etwas verwirrend. Um die Gunst der Kunden buhlen auch sog. Memory-Matratzen. Sie zeichnet zuallererst der sog. Memory-Effekt aus. In diesem Zusammenhang fallen auch Worte wie “Memory Schaum”, “Formgedächtnis-Polymer”, “Memory Foam” oder “Matratzen mit Erinnerungsvermögen”. Schauen wir uns in diesem Beitrag genauer an, was es damit auf sich hat.

Definition: Was ist der Memory-Effekt?

Memory-Effekt heißt, dass sich eine Matratze trotz einer zwischenzeitlichen Umformung an ihre ursprüngliche Form “erinnern” kann. Leg’ Dich in Gedanken einfach mal auf eine Memory-Matratze. Jetzt würdest Du feststellen, dass sich der Druck, den Dein Körper ausübt, im Schaumstoffmaterial einformt. Ein Handabdruck bleibt so z.B. auch nach der Wegnahme der Hand als Abdruck im Schaumstoff zunächst bestehen. Der Schaumstoff wirkt jetzt träge gegen diesen Abdruck und kehrt nach und nach in seine Ursprungsform zurück.

Zwei Elemente sorgen für die genaue Anpassung an die Konturen:

  • Der Körperdruck
  • Die Körperwärme

Es ist wichtig, dies festzuhalten, besonders im Hinblick auf die Vor- und Nachteile der Memory-Matratze.

Bei welchen Matratzen tritt der Memory-Effekt auf?

Der Memory-Effekt tritt bei Matratzen auf, bei denen sog. Viscoschaum verwendet wird. Viscoschaum ist thermoelastisch. Das heißt, er reagiert auf Druck und auf Wärme. Wenn man sich in die gewünschte Schlafposition begibt, übt die Visco-Schaumschicht keinen Gegendruck aus. Man formt quasi die eigene Schlaf-Silhouette in die Matratze. Visco-Schaum ist also sehr nachgiebig. Um dennoch eine gewissen Stabilität zu erreichen, wird er daher oftmals mit anderen Schaumstoff-Schichten kombiniert.  Kaltschaum oder Taschenfedern können zum Beispiel den Matratzenkern bilden. Darauf wird dann die Visco-Schaumschicht aufgebracht. Zu hoch darf diese Schicht nicht sein, da der Körper dann zu stark einsinken und das Drehen und Wenden im Bett zu anstrengend werden würde.

Da der Visco-Schaumstoff (wird oft auch “Memory Foam”, engl. für “Gedächtnis-Schaum genannt) thermoelastisch ist, ist seine Festigkeit abhängig von der Temperatur. Je wärmer es ist, desto weicher wird er. Es dauert daher ein wenig, bis die Matratze ihre Liegequalität entfaltet, da sie ja erst durch den Körper erwärmt werden muss.

Das bringt uns zu der Frage, welche Vorteile und welche Nachteile Matratzen mit Memory-Effekt haben.

Vorteile des Memory-Effektes

Matratzen aus Memory-Schaum entlasten den Druck des Körpers punktgenau und passen sich an die individuelle Körperkontur an. Dadurch wird auch die Wirbelsäule gut entlastet. Das kommt zum Beispiel Menschen zugute, die aus gesundheitlichen Gründen an das Bett gebunden sind und lange in der gleichen Liege-Position verweilen müssen. Da der Körper druckfrei entlastet wird, ist auch nicht mit zusätzlichen Durchblutungsstörungen zu rechnen. Für Menschen, die leicht frieren, hat der thermoelastische Schaum ebenfalls Vorteile. Er besitzt isolierende Eigenschaften, so dass sich ein angenehm warmes Schlafklima ergibt. Der Liegekomfort einer Matratze aus Visco-Schaum ist insgesamt gut. Die Haltbarkeit dank Memory-Effekt ebenfalls. Visco-Schaummatratzen eignen sich auch für Allergiker und Asthmatiker, da Hausstaubmilben keinen guten Nährboden finden.

Nachteile des Memory-Effektes

Es dauert bei den Matratzen mit Memory-Effekt, bis sich der Liegekomfort eingestellt hat. Unter der Bettdecke erwärmt sich der Körper, so dass neben der Druckausübung auch die Temperatur zunächst variabel ist. Das entspannende Hinlege-Gefühl ist also nicht sofort vorhanden. Im Laufe der Einschlafphase kommt es dann zur optimalen Kontur-Anpassung. Das bedeutet aber auch, dass sich beim Wechsel der Schlafposition die Matratze re- und neu organisiert. Das Wechseln der Liegeposition kann also mit Unannehmlichkeiten verbunden sein. Bei sehr aktiven und empfindlichen Schläfern kann das zu Schlafunterbrechungen führen. Ebenso kann es sein, dass Dein Körperbau und Deine Muskulatur sanften Gegendruck gut gebrauchen könnten, genau an den Stellen, die aufgrund der Elastizität der Memory-Matratze, jetzt ohne Gegendruck quasi einsinken.

Wer eine angenehm kühle Schlaftemperatur favorisiert, wird feststellen, dass die Memory-Matratze bei geringen Temperaturen eher hart rüberkommt. Denn die Nachgiebigkeit der Matratze ist bei kühlen Graden reduziert.

Vorteile & Nachteile auf einen Blick

✔️ Vorteile 

  • Druckentlastung
  • Anpassungsfähigkeit
  • Geeignet für Allergiker & Bettlägerige
  • Warmes Schlafklima

❌ Nachteile 

  • Verzögerter Liegekomfort beim Hinlegen & bei Positionswechsel
  • Abnahme der Elastizität bei Temperaturen < 16° C
  • Vergleichsweise hohes Gewicht
  • Geringe Belüftung kann Hitzestau begünstigen
  • Eingeschränkte Bewegungsfreiheit durch Kuhlenbildung
  • Reduzierte Stützkraft aufgrund eines geringen Gegendrucks
  • Vergleichsweise hoher Preis

Eine Matratze mit Memory-Effekt – für wen geeignet?

Für Seitenschläfer mit Verspannungen im Schulterbereich könnte sich eine Matratze mit Memory-Effekt  aufgrund der druckfreien Entlastung ohne Durchblutungsstörungen anbieten. Das trifft auch auf Personen mit Rückenschmerzen zu.

Profitieren können auch Menschen, die auf einen angenehmen Liegekomfort angewiesen sind, auch wenn sie nur selten die Liegeposition wechseln können (etwa Menschen, die sich in Krankenhaus-Behandlung befinden). Bereiche, die sensibel auf Druck reagieren wie Becken, Gelenke und Wirbelsäule werden effektiv entlastet. Für Personen mit einer Hausstaub- und Milbenallergie kann eine viscoelastische Matratze zu empfehlen sein, da Milben nicht in das engmaschige Gefüge eindringen können.

Wenn Du ein aktiver Schläfer bist, der öfter die Schlafposition wechselt, wenn Du schnell ins Schwitzen kommst oder ein eher kühles Schlafklima favorisierst, ist eine Matratze mit Memory-Effekt womöglich weniger gut für Dich geeignet. Schlussendlich gilt: Probieren geht über Studieren. Welche Matratze zu Dir passt, findest Du am besten heraus, wenn Du sie in Deiner persönlichen Schlafumgebung über einen längeren Zeitraum testest.