Pflanzen im Schlafzimmer

Einführung: Gehören Pflanzen ins Schlafzimmer oder stören sie meinen Schlaf?


Pflanzen sind schön, oder? Wer mag sie nicht. Kommt die Rede allerdings auf das Schlafzimmer, halten sich Stimmen, die Pflanzen dort für Störfaktoren halten. Gehören Pflanzen in unsere Schlafräume? Schnappen sie uns womöglich den Sauerstoff weg? Wir wollen uns anschauen, was es mit den Pflanzen im Schlafzimmer auf sich hat. Gibt es Vorteile, gibt es Nachteile, welche Arten eignen sich – um all das geht es im folgenden Beitrag. Machen wir gemeinsam einen Ausflug ins Grüne.

Pflanzen und Menschen


Schenkt man aktuellen Studien Glauben, so verbringen die meisten Menschen in unseren Breiten fast 90 Prozent ihrer Zeit in geschlossenen Räumen, ob nun Wohnung, Büro, Schule, Fabrik oder Werkstatt. Von einem Leben im Einklang mit der Natur ist nicht viel übrig geblieben. Den Hang zur Natur haben sich aber viele Menschen erhalten. So fühlen wir uns in der Umgebung von Pflanzen wohler. Die grünen Weggefährten bereichern uns. Das hängt wahrscheinlich auch mit unserer Entwicklungsgeschichte zusammen. Denn der Anblick von Pflanzen gab schon unseren Vor-, Vor-, Vorfahren wichtige Anhaltspunkte. Schutz, Wasser, Nahrung – wo es grün war, war das Überleben einfacher.

Heute sind Garten- und Zimmerpflanzen sicher keine existentielle Basis unseres Lebens, das zeigen ja schon all die Menschen, die gänzlich ohne Pflanzen leben

und von sich sagen, sie hätten keinen “grünen Daumen”. Auch wenn sie nicht lebenswichtig sind, so haben Pflanzen nachgewiesen Vorteile. Schauen wir sie uns an.

Vorteile: Pflanzen im Schlafzimmer


Pflanzen kennen wir als nützliche Helfer für Arzneimittel, Kleidungs- oder Baustoffe. Die Zimmerpflanze als hübsches Ziergewächs im Blumentopf hingegen galt lange Zeit als sehenswerte Dekoration. Mehr aber auch nicht. Doch wie Studien beweisen, leistet diese “grüne Dekoration” mehr, als wir auf den ersten Blick vermuten.

Pflanzen lindern Stress

Tatsächlich hat die Wissenschaft im Rahmen verschiedener Untersuchungen festgestellt, dass Menschen ihre Arbeit in der Nähe von Raumgrün als weniger stressig eingeschätzt haben. Anhand von Speichelproben konnte belegt werden, dass das Belastungsgefühl tatsächlich vermindert war. Noch mehr Stress scheint abgebaut zu werden, wenn man sich auch persönlich um die Pflanzen kümmern muss, also giessen, Staub abwischen und dafür sorgen, dass genug Sonnenlicht die Pflanzen erreicht.

Pflanzen senken den Blutdruck

Der Anblick von Pflanzen fördert physiologische Prozesse, die man mit Effekten vergleichen kann, wie wir sie aus der Meditation kennen. In einem Versuch reichten bereits wenige Minuten, in denen die Probanden Pflanzen in Augenschein nahmen, um den Blutdruck zu senken. Pflanzen helfen uns also, in einen entspannten Zustand zu kommen.

Pflanzen verbessern die Raumluft

Pflanzen stehen in dem Ruf, dass sie wahre Luftreiniger sind. Sie sollen Sauerstoff abgeben und die Luft von Schadstoffen reinigen. Das geht vor allem zurück auf eine Studie aus dem Jahr 1989, die von der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA durchgeführt wurde, der sogenannten „Clean Air Study“. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass Pflanzen die Konzentration von Benzol, Xylol, Formaldehyd, Trichlorethylen und weiteren schädlichen Gasen und Chemikalien in der Raumluft verringern. Allerdings kamen die Ergebnisse unter optimalen Laborbedingungen zustande. Solche Bedingungen herrschen in unseren Haushalten nicht. Zuviel reinigende Wirkung sollte man sich daher von seinen Zimmerpflanzen nicht versprechen.

Tatsächlich nehmen Pflanzen durch Photosynthese Kohlendioxid auf und setzen Sauerstoff frei. Das wirkt sich zwar nur gering, aber dennoch messbar positiv auf die Luftqualität aus.

Pflanzen schaffen eine biophile Aura

Biophilie – das ist die Vorliebe für das Lebendige und steht für das Bedürfnis, mit der Natur in Kontakt zu sein. Mittlerweile ist biophiles Design ein regelrechter Trend. Analog zu der Parole: “Raus in die Natur!” könnte man sagen “Rein mit der Natur!”

Tatsächlich fühlen sich viele Menschen in begrünten Räumen besser. Es fällt ihnen leichter, sich zu konzentrieren. Wissenschaftler sprechen in diesem Zusammenhang auch von der attention restoration theory. Sie besagt, dass sich die Natur besonders gut eignet zum Regenerieren der Aufmerksamkeitsfähigkeit.

Nachteile: Pflanzen im Schlafzimmer


Sauerstoff-Bedarf

Stehlen uns die Pflanzen denn jetzt über Nacht den Sauerstoff? Ganz genau genommen: Ja. „Wenn das Licht ausgeht, werden Pflanzen gewissermaßen zum Tier”, sagt der Pflanzen- und Evolutionsexperte Ulrich Kutschera von der Uni Kassel. Ohne Licht ähnelt die Zellatmung der Pflanzen denen der Tiere und dafür ist Sauerstoff nötig. Aufgrund des fehlendes Lichts kann die Pflanze in der Nacht keine Fotosynthese betreiben und nimmt daher vermehrt Sauerstoff auf. Allerdings ist das kein Grund für Schnappatmung, denn der Sauerstoff-Bedarf einer einzelnen Pflanze ist minimal. Man müsste das Schlafzimmer schon in einen Dschungel verwandeln, damit die Luftqualität nachts tatsächlich merklich leidet.

Schimmelpilze und Bakterien

Nachteilig auswirken können sich auch Schimmelpilze und Bakterien, die sich gerne in der Blumenerde bilden. Sie können in der feuchten Erde anwachsen und sich dann über Sporen verbreiten. Die Krankenhaushygiene zum Beispiel verbietet Topfblumen in den Behandlungszimmern, da sie zur Infektionsquelle für Patienten mit geschwächtem Immunsystem werden können. Nun ist Dein Schlafzimmer ja kein Krankenhaus, wie wir hoffen, und mit der richtigen Pflege lässt sich verhindern, dass Pflanzen zu schimmeln beginnen.

Allergische Reaktionen

Sofern Du Allergiker bist, solltest Du sehr genau darauf achten, welche Pflanzenarten Du im Schlafzimmer bedenkenlos haben kannst. Einige Exemplare können allergische Reaktionen auslösen. Stark duftende Blüten-Pflanzen können Kopfschmerzen verursachen und so die Schlafqualität mindern. Lavendel, Jasmin oder Lilien – was auf manche Menschen beruhigend wirkt, löst bei anderen Kopfschmerzen aus. Da muss jeder von uns seinen eigenen Weg finden.

Fazit: Pflanzen im Schlafzimmer


Nicht im Übermaß, sondern gezielt ausgewählt und aufgestellt, können Pflanzen eine Bereicherung für das Schlafzimmer sein. Wer Zimmerpflanzen schätzt und sie zuhause gedeihen lässt, tut sich etwas Gutes. Festhalten müssen wir aber auch, dass Pflanzen Pflege brauchen. Wenn der Daumen nach oben zeigt beim Thema Pflanzen, dann sollte er grün sein. Wem es zu aufwendig ist, sich um die Pflanzen zu kümmern bzw. wem die Zeit fehlt, der sollte dann sowieso lieber auf die grünen Zimmer-Gefährten verzichten.

Kriterien zur Auswahl der Schlafzimmer-Pflanzen


Wie bereits ausgeführt – jeder hat so seine individuellen Bedingungen, was die Pflanzen im Schlafzimmer betrifft. Deshalb sind die folgenden Kriterien mehr allgemeiner Natur und weniger für alle verbindlich.

  • Die Pflanzen sollten zu Deiner bevorzugten Schlafzimmertemperatur passen (in der Regel zwischen 16 und maximal 20 Grad).
  • Wie sind die Lichtverhältnisse in Deinem Schlafzimmer? Informiere Dich über den Licht- bzw. Schatten-Bedarf Deiner bevorzugten Pflanze.
  • Sofern Du bestimmte Düfte nicht explizit magst, verzichte auf stark duftende Pflanzen für das Schlafzimmer.
  • Pflanzen, die große bzw. viele Blätter haben, verdunsten mehr Wasser und erhöhen die Luftfeuchtigkeit. Da die Wohnungsluft oftmals zu trocken ist, könnte eine solche Pflanze eine gute Wahl sein.
  • Auch wenn der Effekt nicht übermäßig groß ist, so lohnt auch der Blick auf Pflanzen, die in besonderem Maße Schadstoffe wegfiltern.

Tipps für Schlafzimmer-Pflanzen

Gibt es Pflanzen, die sich besonders gut für das Schlafzimmer eignen? Wir haben im Folgenden einige Tipps

Bogenhanf

Typisch für den Bogenhanf (Sansevieria) sind die kräftigen, länglichen, spitz zulaufenden Blätter. Charakteristisch ist auch die graugrüne Färbung mit unterschiedlichen Streifen und gelben Rändern. „Schwiegermutterzunge” –

so wird der Bogenhanf auch genannt aufgrund der stacheligen Spitze des länglichen Blattes. Gute Dienste werden dem Bogenhanf in Bezug auf die Luftfeuchtigkeit nachgesagt. Trockene Wärme verträgt der Bogenhanf gut. Er sollte im Hellen stehen, aber nicht unbedingt in der prallen Sonne. Beim Wässern gilt: Lieber zu wenig als zu viel.

Einblatt

Ein echter Hingucker ist das Einblatt. Dunkelgrüne Blätter werden gekrönt von leuchtend weißen Hochblättern, die winzige Blüten beherbergen. Die Blüten geben allerdings nur wenige Duftstoffe ab. Das Einblatt ist aufgrund seiner großen Blätter gut für das Raumklima. Auch wenn ihm nachgesagt wird, dass es die Luft reinigen könnte, so sollte man diesen Aspekt nicht überbewerten, sondern die geläufigen Tipps zum Durchlüften befolgen. Ist der Boden zu trocken, lässt das Einblatt die Blätter hängen, die sich nach der Wasserzufuhr allerdings sofort wieder aufrichten. Eine Raumtemperatur von 18 bis 22 Grad ist ideal. Wie viele andere Pflanzen auch mag das Einblatt ein gelegentliches Einnebeln. WICHTIG: Der Pflanzensaft ist giftig. Kleinkinder und Haustiere also fernhalten.

Grünlilie

Die Grünlilie ist sehr unkompliziert und leicht zu pflegen. Die langen, dünnen Blätter der Grünlilie (Chlorophytum comosum) erreichen bisweilen 45 cm Länge, was sie zu einem schönen Lufterfrischer macht. Die Wurzeln der Grünlilie sind in der Lage, viel Feuchtigkeit zu speichern. Deshalb kommt sie auch einmal ohne frische Wasser-Zufuhr zurecht. Es reicht, sie in der Woche zweimal zu wässern. Sowohl in der Sonne als auch im Schatten macht die Grünlilie eine gute Figur. Aufgrund ihrer “Anspruchslosigkeit” ist sie auch für Pflanzen-Einsteiger eine gute Wahl.

Drachenbaum

Auch wenn der Name etwas furchteinflössend klingt, so ist doch der Drachenbaum eine sehr beliebte Wahl der Pflanzen-Freunde. Die hohe, volle Zimmerpflanze hat einen oder mehrere Stämme, aus denen die prächtigen Blätter sprießen. Der Drachenbaum ist einfach zu pflegen, da er die Feuchtigkeit im Stamm speichert und sich daher nicht gleich “beschwert”, wenn man einmal das Gießen vergisst. Die palmenähnliche Form verleiht der Pflanze eine leicht exotische Aura. Ein heller Platz ist zu empfehlen, die Temperatur sollte nicht unter 10-13°C sinken. Gießen sollte man den Drachenbaum erst, wenn der Topfballen abgetrocknet ist.

Aloe Vera

Die Aloe Vera trägt blaugrüne Blätter, die eine Länge von bis zu 50 cm erreichen. Sie ist ein guter Luftreiniger und durchaus belastbar. Feuchtigkeit und Nährstoffe speichert sie in ihren Blättern, um auch Perioden der Trockenheit zu überstehen.

Sie benötigt für ein gesundes Wachstum ausreichend Licht. In der prallen Sonne könnten sich allerdings ihre Blätter färben. Die Aloe verträgt keine Staunässe, weshalb man sie erst gießen sollte, wenn die Erde ausgetrocknet ist.

Pflegetipps für Schlafzimmer-Pflanzen

Pflanzen schenken uns eine angenehme Atmosphäre, die ohne das angemessene Maß an Pflege aber nicht zu haben ist. Das solltest Du in jedem Fall beachten:

  1. Wenn man Pflanzen übergießt, kann sich Schimmel bilden. Wie viel Wasser benötigt die Pflanze, wie oft muss man sie gießen? Auf diese Fragen solltest Du Antworten parat haben.
  2. Pflanzen mit größeren Blättern sind gut, aber auch anfällig für den Hausstaub. Also öfter einmal abstauben (gilt besonders für Allergiker) und die Blätter mit Wasser besprühen.
  3. Den Nährboden checken. Einige Pflanzen brauchen die Nährstoffe aus der Erde schnell auf. Für das angemessene Wachstum kann deshalb Dünger empfehlenswert sein. Der Fachhandel weiß Rat und hat den passenden Dünger.
  4. Zimmerpflanzen brauchen frische Luft, damit sie Sauerstoff produzieren können. Deshalb ausreichend lüften.
  5. Pflanzen brauchen Licht. Doch einige vertragen grelles Sonnenlicht nicht so gut, andere blühen förmlich auf. Daher über Licht- und Temperaturanfälligkeit Deiner favorisierten Pflanzen genau informieren.