Schnarchen

schnarchen

Grundlagen


Wohl alle von uns haben schon einmal mehr oder weniger mit dem Phänomen "Schnarchen" zu tun gehabt. Häufigkeit und Belastung variieren dabei. Für die einen ist es eher randständig, andere nervt es bis hin zu der Entscheidung, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Schauen wir uns also etwas genauer an, was es mit dem Schnarchen auf sich hat.

Definition: Schnarchen

Laut der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) existiert eine fundierte Definition des Schnarchens nicht. Die Diagnose "Schnarchen" kann dann gestellt werden, wenn folgende Kriterien erfüllt sind:

  • Der Betroffene bzw. der Bettpartner berichtet über eine atmungsabhängige akustische Belästigung bzw. Geräuschentwicklung im Schlaf.
  • Der Betroffene klagt nicht über eine übermäßige Schläfrigkeit bzw. Ein- und Durchschlafstörungen, die auf das Schnarchen zurückgeführt werden könnten.
  • Die Geräusche gehen nicht einher mit Atempausen oder Phasen der Minderatmung. Es liegt also kein Hinweis vor, dass es sich um eine schlafbezogene Atmungsstörung (z.B. Schlafapnoe) handelt.

(Vgl. DGSM)  

Schnarchen kann aus medizinischer Sicht also harmlos sein. Dazu muss allerdings ausgeschlossen werden, dass sich hinter den Atmungsgeräuschen eine schlafmedizinische Erkrankung verbirgt. Hinzu kommt der soziale Aspekt des Schnarchens. Hier geht es um den Grad der verursachten Belästigung. Entscheidend ist dabei die Wahrnehmung des Bettpartners. Selbst wenn das Schnarchen zunächst medizinisch harmlos erscheint, kann es zu Einschränkungen der Beziehungsqualität kommen. Auch wenn keine medizinische Notwendigkeit zur Behandlung besteht, kann daher eine Therapie sinnvoll sein. Doch dazu später mehr.

Entstehung: Was passiert beim Schnarchen?

Im Schlaf kommen wir zur Ruhe. Geist und Körper entspannen sich. Fast alle unsere Muskeln schlaffen ein wenig ab. Das betrifft auch die Muskulatur im Mund und Rachen. Eigentlich schön, wenn auch die Muskeln einmal entspannen, allerdings kann das auch Probleme verursachen. Der schlaffe Muskel hat eine andere Form als der straffe. Die Rachenöffnung, durch den die Atemluft in die Luftröhre ein- und ausfließt, kann kleiner werden, wenn die Muskelanspannung abnimmt. Die Zunge kann etwas nach hinten klappen, auch jetzt etwas schlaffere Hautfalten können den Durchgang im Rachen etwas schmaler machen. In der Tiefschlafphase entspannen wir besonders intensiv. Halten wir der Einfachheit halber fest, dass die gleiche Menge Luft nun durch eine kleinere Öffnung fließen muss. Der Luftstrom entwickelt in diesem Moment beim Atmen mehr Kraft. Und schon nähern wir uns dem Schnarchen, denn jetzt passiert folgendes: Der starke Luftstrom trifft auf das entspannte Gewebe, und das beginnt zu "flattern". Zumeist beim Einatmen. Welcher Gewebeteil letztlich besonders berührt ist, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Mal ist es der weiche Gaumen mit Gaumensegel und Zäpfchen, aber auch die Mandeln oder Rachenwände können in "Wallung" geraten.

In jedem Fall entsteht jetzt das typische Geräusch, das wir als Schnarchen kennen.

Verbreitung in der Gesellschaft


Schnarcht jeder Mensch?

Da alle Menschen im Schlaf atmen, entstehen auch immer Geräusche. Die Atemgeräusche anderer werden aber von jedem Menschen ganz unterschiedlich wahrgenommen. Als lautlos gilt der Schlaf bis zu einer Lautstärke von 20 Dezibel. Ein Blick in das Guinness-Buch der Rekorde zeigt, dass man es mit Schnarchen bis zu 93 Dezibel bringen kann. Rekordhalter ist der Schwede Kare Walkert. "Alter Schwede" möchte man da eigentlich nur noch sagen, was uns an dieser Stelle verziehen sein möge.

Männer oder Frauen - wer schnarcht häufiger?

Schnarchen soll bei Männern im mittleren bis höheren Lebensalter am meisten verbreitet sein. Die Angaben schwanken zwischen 20 und 46 %. Allerdings ist mit 8 bis 25 % auch bei Frauen das Schnarchen weiter verbreitet, als man es vermuten würde. Diese Zahlen sind allerdings auch mit Vorsicht zu genießen. Denn zumeist sind sie auf Umfragen gegründet und nicht auf umfassenden Studien etwa in Schlaflaboren. Viele Menschen, zumal, wenn sie alleine leben, wissen gar nicht, dass sie schnarchen. Anderen ist das Thema peinlich, und sie machen bei Befragungen nicht immer die richtigen Angaben. In der Regel ist die Weckschwelle bei Frauen geringer als bei Männern. Sie bekommen also schneller mit, wenn ein Mann neben ihnen schnarcht. Insofern haftet dem Schnarchen immer noch ein wenig das Etikett "Männerding" an. Faktisch ist das aber nicht richtig. Neuere Studien legen sogar nahe, dass Frauen fast genauso oft und laut schnarchen wie Männer.

Nimmt das Schnarchen im Alter zu?

Mit dem Älterwerden nimmt die Elastizität der Muskeln und des Bindegewebes ab. Das begünstigt das Schnarchen. Die Anzahl der Schnarcher steigt bis zu einem Alter von ca. 50 bis 59 Jahren, danach soll sie aber wieder abnehmen. Man vermutet, dass das mit den hormonellen Veränderungen zu tun hat.  

Ist Schnarchen gefährlich?


Das "normale" Schnarchen ist für den Urheber oder die Urheberin zunächst einmal gesundheitlich nicht bedenklich. Nur, wie sieht der Bettpartner die Sache? Nimmt er das Schnarchen deutlich wahr, fühlt er sich sehr wahrscheinlich gestört. In dem Willen, ungestört weiter schlafen zu können, versucht er die Störung zu beheben. Meist durch kurzes Anstupsen oder sogar durch Aufwecken des Schnarchers. Jetzt sind beide wach und womöglich sogar genervt, weil sich das Ritual mehrmals die Nacht wiederholt. Schnarchen kann also zu einer erheblichen Belastung der Beziehung führen. Auch wenn aus schlafmedizinischer Sicht keine Gefährdung vorliegt.

Sollten sich allerdings beim Schlafen die Atemwege ganz oder teilweise verschließen, sieht die Sache anders aus. Dann liegt eine schlafbezogene Atmungsstörung vor, die ein Gesundheitsrisiko darstellt und behandelt werden muss. Der Atemstillstand durch blockierte Atemwege (Schlafapnoe) existiert in verschiedenen Schweregraden. Schnarchen ist nicht die Ursache dafür, kann aber ein Hinweis darauf sein.

Atemaussetzer kommen beim Schlafen immer mal wieder vor. Oftmals bemerken wir das gar nicht. Ist ein Mensch allerdings Apnoiker, wiederholen sich die Aussetzer ständig, bisweilen bis zu 30 Mal pro Stunde. Dadurch werden die Tiefschlafphasen ständig unterbrochen, der Körper befindet sich in einer ständigen Unruhe und in einem latenten Alarmzustand durch die häufigen Atemaussetzer. Der Schlaf verliert dadurch seine Erholungsfunktion und die Betroffenen leiden unter Tagesmüdigkeit, sind gereizt und immer auf dem besten Wege tagsüber einzuschlafen. Wer das  über einen längeren Zeitraum an sich feststellt, sollte daher medizinische Hilfe in Anspruch nehmen.

Nur keine falsche Scham, Atemprobleme im Schlaf treten sehr häufig in der Bevölkerung auf und ein Gang zum Experten lohnt sich, wenn man unter einer dauernden Übermüdung leidet.

Faktoren, die Schnarchen begünstigen


Es gibt eine Reihe von Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass jemand schnarcht.

Übergewicht

Übergewichtige Menschen haben es schwerer, Luft zu bewegen. Auch im Rachenraum kann sich Fett anlagern. Das führt dazu, dass sich die Atemwege verengen und der Luftstrom das weiche Gewebe vibrieren lässt. Schnarchen ist die Folge.

Verstopfte Atemwege

Die Luft will in die Lungen und hat es deshalb schwerer, wenn die Nase zu eng oder verstopft ist. Das ist z.B. bei einer Erkältung der Fall, so dass wir kurzfristig zu Schnarchern werden. Aber es gibt auch Menschen, bei denen die Nase auf Dauer nicht frei ist, z.B. aufgrund einer chronischen Nebenhöhlenentzündung oder einer schiefen Nasenscheidewand. Das erschwert bzw. verunmöglicht es, durch die Nase zu atmen. Auch Wucherungen in der Nase oder den Nebenhöhlen wie etwa Polypen können das Atmen erschweren und zu Schnarchgeräuschen führen.

Der Unterkiefer

Wenn der Unterkiefer weit zurückgezogen ist, kann sich dadurch der Atem-Raum im Rachen verkleinern. Auch so können dann die störenden Geräusche entstehen.

Alkohol / Medikamente

Wer bei der Entspannung nachhilft und Alkohol trinkt oder Medikamente nimmt, um "runter zu kommen" und besser einzuschlafen, erhöht ebenfalls sein Risiko, zum Schnarcher zu werden.

Rückenlage beim Schlafen

Häufig ist das Schnarchen auch eine Frage der Schlaflage bzw. -position. Wenn man bevorzugt auf dem Rücken schläft, steigt auch die Anfälligkeit für das Schnarchen. Hier kann man insofern schnell Abhilfe schaffen, indem man versucht, die Schlaflage zu ändern und es sich abzugewöhnen, auf dem Rücken zu schlafen.

Ursachen & Behandlungsmethoden


Ursachen erkennen

Folgt man der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) handelt es sich beim Schnarchen nach bisherigen Erkenntnissen nicht um eine Erkrankung mit einer medizinischen Gefährdung, und es besteht keine medizinische Notwendigkeit zur Behandlung. Wichtig ist in diesem Zusammenhang abzuklären, ob eine mögliche schlafmedizinische Erkrankung im engeren Sinne vorliegt (z.B. eine Schlafapnoe).

Gehen wir aber hier einmal davon aus, dass das Schnarchen ein isoliertes Phänomen ist und der körperliche Untersuchungsbefund als unauffällig eingeschätzt wird. Auch in einem solchen Fall ist es ja legitim, dass der Betroffene den Wunsch hat, etwas gegen das Schnarchen zu unternehmen. Daher macht es Sinn, die Ursache des Schnarchens herauszufinden.

Ist vielleicht die Nasenscheidewand schief? Sind die Atemwege chronisch entzündet? Sind womöglich die Mandeln vergrößert oder liegen andere Gewebeschwächen vor? Sitzt der Kiefer sehr weit hinten? Befinden sich Polypen in den Nebenhöhlen? Anhand dieser und anderer Fragen klärt ein Experte die näheren Umstände, bei Bedarf auch in einem Schlaflabor.

Ist die Ursache bekannt, kann man sie behandeln. Dafür gibt es verschiedene Verfahren.

Was tun gegen Schnarchen?

Wer schnarcht, ohne dabei Atemaussetzer zu haben, fügt seiner Gesundheit nicht wirklich einen Schaden zu. Die Beziehung zu einem anderen Menschen kann es allerdings durchaus belasten. Deswegen bietet es sich an, im Rahmen der eigenen Möglichkeiten trotzdem Maßnahmen gegen das Schnarchen zu ergreifen.

Was sich generell immer lohnt, ist ein gesünderer Lebensstil. Übergewichtige Menschen sollten daran arbeiten, ihr Normalgewicht zu erreichen. Wer raucht, sollte in Erwägung ziehen, eine Nikotin-Karenz einzulegen oder ganz mit dem Rauchen aufzuhören und etwa vier Stunden vor dem Schlaf sollte man keinen Alkohol mehr zu sich nehmen. Das sind keine Allheilmittel und es besteht keine Erfolgsgarantie, aber versuchen sollte man es.

Daneben gibt es apparative Verfahren und operative Therapien, die in Frage kommen. Dazu sollte man den Rat eines Experten einholen. Denn Schnarchen ist immer noch auch ein Tabu-Thema und so kursieren eine ganze Reihe von dubiosen Medikamenten, Hilfsmitteln und Therapien, zu deren Wirksamkeit es meistens keine belastbaren Studien gibt.

Fazit


Es gibt wohl kaum einen Menschen, der gänzlich geräuschfrei schläft. Schnarchgeräusche sind normal und nicht schädlich, solange sie im Rahmen des Zumutbaren bleiben. Hier hat allerdings jeder Mensch seine eigene Schmerzgrenze. Wird diese Schmerzgrenze überschritten, sollte man das Gespräch suchen, um einer Belastung für die Beziehung vorzubeugen. Manchmal hilft es schon, den Lebensstil zu ändern und Faktoren, die das Schnarchen begünstigen zu minimieren. Ansonsten empfiehlt es sich, einen Schlafexperten aufzusuchen, um gemeinsam mit ihm die Ursachen für das Schnarchen zu ermitteln.

Der Gang zum Arzt ist allerdings absolut ratsam, wenn das Schnarchen einhergeht mit chronischer Tagesmüdigkeit und Atemaussetzern während des Schlafens. Hier ist dann zu klären, ob nicht eine schlafmedizinische Erkrankung vorliegt.

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