Was ist ein Traumtagebuch?

Traumtagebuch

Aktualisiert am 24. August 2023
Veröffentlicht am 13. Mai 2022

⏰ Das Wichtigste in KĂŒrze

  • Ein Traumtagebuch hilft, TrĂ€ume zu dokumentieren und zu deuten
  • Das FĂŒhren eines Traumtagebuchs kostet tĂ€glich nur wenige Minuten
  • Ein Traumtagebuch ist hĂ€ufig Bestandteil wirksamer Alptraum-Therapien

Traumtagebuch: So bringt Du Deine TrÀume zu Papier

Zahlreiche Studien sprechen dafĂŒr, dass alle Menschen nachts trĂ€umen. Unser Gehirn ist offenbar rund um die Uhr damit beschĂ€ftigt, Erlebnisse und Erlerntes zu bewerten und verarbeiten. Im Schlaf erleben wir etwa alle 90 Minuten eine Traumphase und bringen es pro Nacht durchschnittlich auf 4 bis 6 unterschiedlich lange TrĂ€ume. Im Laufe unseres Lebens verbringen wir rund 50 000 Stunden im Traumzustand.

Etwa 75 % der Erwachsenen können sich beim Aufwachen an ihre TrĂ€ume entsinnen [Quelle: brand eins]. Doch oft sind solche Erinnerungen bruchstĂŒckhaft, hinterlassen diffuse GefĂŒhle und geben uns RĂ€tsel auf. So kann es passieren, dass uns intensive TrĂ€ume auch tagsĂŒber noch gedanklich beschĂ€ftigen oder beunruhigen.

Am Vorgang des TrĂ€umens sind sĂ€mtliche Hirnregionen beteiligt. Lediglich ein kleiner Teil ist wĂ€hrend des TrĂ€umens gehemmt: Der prĂ€frontale Kortex, der fĂŒr planvolles Denken, Moral und individuelle Persönlichkeits-Aspekte sorgt. Unsere Fantasie kennt im Traum daher keinerlei gesellschaftliche ZwĂ€nge oder Tabus. Zudem ist unser limbisches System − zustĂ€ndig fĂŒrs Affekt- und Triebverhalten − jetzt besonders aktiv: Wir fĂŒhlen viel intensiver als im Wachzustand.

Mithilfe eines Traumtagebuchs kannst Du die Auswirkungen dieser speziellen BewusstseinszustĂ€nde auch am Tag fĂŒr Dich nutzen. RegelmĂ€ĂŸige Notizen ĂŒber Deine Trauminhalte und deren emotionale Bewertung können Dir helfen, Deine TrĂ€ume zu entschlĂŒsseln. Auf diese Weise kannst Du auch im wirklichen Leben von ihren symbolischen Hinweisen profitieren und ungelöste Konflikte leichter bearbeiten.

đŸ’« Mehr ĂŒber TrĂ€ume erfahren 

Warum trĂ€umen wir? Welche Arten von TrĂ€umen gibt es? Und was sagt eigentlich die Wissenschaft dazu? Unser Artikel ĂŒber TrĂ€ume hĂ€lt die Antworten fĂŒr Dich bereit!

Was ist ein Traumtagebuch?

Ausgelöst durch die BegrĂŒndung der Psychoanalyse hat sich seit dem Ende des 19. Jahrhunderts die Nutzung von TraumtagebĂŒchern verbreitet. Ein Traumtagebuch enthĂ€lt datierte schriftliche Notizen ĂŒber Erinnerungen an persönliche Traum-Inhalte. Die Aufzeichnungen erfolgen sinnvollerweise regelmĂ€ĂŸig und ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum hinweg möglichst direkt nach dem Aufwachen.

Die meisten Menschen wollen sich anhand ihres Traumtagebuchs besser an die eigenen TrĂ€ume erinnern, um diese reflektieren und deuten zu können. RĂŒckwirkend bieten die Aufzeichnungen auch die Chance, sich wiederholende (Alp-)TrĂ€ume oder einzelne Traum-Symbole zu vergleichen und zu verstehen. Die psychologische und psychiatrische Traumforschung nutzen TraumtagebĂŒcher zur Erhebung wissenschaftlicher Daten und als therapeutisches Instrument.

Ein Traumtagebuch kann die Form eines herkömmlichen Notiz- oder Tagebuchs haben. Es kann auch in elektronischer Form gefĂŒhrt werden − etwa per Smartphone-App. Es sollte neben dem Bett liegen, damit TrĂ€ume morgens oder sogar nachts wĂ€hrend kurzer Wachphasen möglichst bald aufgeschrieben werden können.

Die EintrĂ€ge in ein Traumtagebuch können aus Worten, aber auch aus Zeichnungen oder Schemata bestehen. ErlĂ€uternd können Assoziationen zu wirklichen Erlebnissen oder Personen sowie spontane Deutungs-Ideen festgehalten werden. Je eher die Notizen erfolgen, desto deutlicher und umfangreicher ist meist die Erinnerung an Traum-Inhalte und damit verbundene GefĂŒhle.

Die Vorteile: Warum ein Traumtagebuch fĂŒhren? 

Wissenschaftler*innen gehen heute fest davon aus, dass Schlaf nicht nur der körperlichen, sondern auch der psychischen Erholung dient. Offenbar sortieren und verarbeiten wir nachts die Erlebnisse des Tages. Weitere Bausteine fĂŒr TrĂ€ume sind unsere Ängste, WĂŒnsche, Moralvorstellungen und Ideen. Oft weisen uns TrĂ€ume auf konfliktreiche Themen hin, die uns insgeheim beschĂ€ftigen. Deshalb bieten sie uns wichtige Anhaltspunkte zur Selbstreflexion.

Unsere Traumwelt unterscheidet sich grundlegend vom wachen Alltagserleben: Im Traum haben wir oft zusĂ€tzliche FĂ€higkeiten und erleben fantastische Dinge, die den Gesetzen der Wirklichkeit widersprechen. Dich mit Deiner eigenen Traumwelt zu befassen, kann daher sehr spannend und ĂŒberraschend sein. Viele bildende KĂŒnstler*innen, Autor*innen oder Musiker*innen gewinnen aus ihren TrĂ€umen sogar Motive, die sie spĂ€ter in ihren Werken umsetzen.

Das Aufschreiben erinnerter Trauminhalte in einem dafĂŒr vorgesehenen Tagebuch kann helfen, Dir Deine unterbewussten Emotionen bewusst zu machen. Beim Schreiben unterliegen wir Formalien, die uns zwingen, unsere Gedanken auf eine bestimmte Art zu ordnen. Deshalb ist die schreibende Verarbeitung von GefĂŒhlen und Erfahrungen bei der Traumdeutung Ă€hnlich hilfreich fĂŒr Deine Selbsterkenntnis, wie wenn Du Dich mit anderen Menschen darĂŒber austauschst.

Das FĂŒhren eines Traumtagebuchs eignet sich gut zur Selbsthilfe bei rĂ€tselhaften, wiederkehrenden oder beĂ€ngstigenden TrĂ€umen. Dank dieser Methode kannst Du geheime Gedanken und unangenehme TrĂ€ume fĂŒr Dich behalten. Anders als in einer Psychotherapie musst Du Dich keiner anderen Person offenbaren, sondern lernst autodidaktisch, Dich selbst zu verstehen. Dabei erlangst Du tiefgreifende Erkenntnisse ĂŒber Deine unbewussten WĂŒnsche, Ängste und Gedanken.

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Die regelmĂ€ĂŸige BeschĂ€ftigung mit Deinen TrĂ€umen kann Dich mit der Zeit befĂ€higen, Dich genauer an GetrĂ€umtes zu erinnern. Es wird Dir zudem leichter fallen, Unbewusstes zu entschlĂŒsseln, es mit Deinem aktuellen Leben in Verbindung zu bringen und zu verarbeiten. Manche Menschen entwickeln durch das Schreiben ihres Traumtagebuchs auch die FĂ€higkeit zum luziden TrĂ€umen: Sie merken im Traum, dass sie schlafen, und können den Verlauf des Traums bewusst lenken.

Besonders hilfreich ist luzides TrĂ€umen gegen AlptrĂ€ume. Alltags-Stress, Sorgen, belastende Erlebnisse, Traumata oder bestimmte Medikamente können massive AngsttrĂ€ume auslösen. Diese wirken oft schlafstörend und werden im Alltag zur Belastung. Expert*innen kennen eine erfolgreiche Methode dagegen: Der im Tagebuch dokumentierte böse Ausgang wird zum Happy End umgemĂŒnzt. Der ursprĂŒngliche Alptraum verliert seinen Schrecken.

Je lĂ€nger Du Deine TrĂ€ume aufschreibst, umso spannender und lehrreicher wird es. Wie ein herkömmliches Tagebuch ist auch Dein Traumtagebuch eine wertvolle Dokumentation Deiner Lebensphasen. Jahre spĂ€ter erinnert es Dich an durchlebte Krisen und schöne Zeiten. Allerdings belegt es Deine spirituelle, geistige und psychische Weiterentwicklung viel intensiver als es TagebĂŒcher, Fotoalben oder Videos je könnten.

Das regelmĂ€ĂŸige FĂŒhren eines Traumtagebuchs hat viele Vorteile:

  • Du lernst, Dich immer besser an Deine TrĂ€ume zu erinnern
  • Du erkennst, welche Themen & Muster sich in Deinen TrĂ€umen wiederholen
  • Deine Aufzeichnungen erleichtern Dir die Deutung wesentlicher Traumsymbole & -inhalte
  • Du entdeckst, was Dich unbewusst beschĂ€ftigt & belastet
  • Du wirst innere Konflikte zeitig erkennen, leichter verstehen & aktiv lösen
  • Eine verbesserte Verbindung zu Deiner Traumwelt stĂ€rkt Deine Intuition im Wachleben
  • Du wirst hĂ€ufiger trĂ€umen Dich öfter daran erinnern
  • Du kannst dadurch die FĂ€higkeit zum luziden TrĂ€umen erlangen & trainieren
  • Wenn Du AlptrĂ€ume sofort aufschreibst, kannst Du beruhigter weiterschlafen
  • Die Dokumentation schwerer, hĂ€ufiger AlptrĂ€ume erleichtert deren Therapie
  • Ein Traumtagebuch kann Deine SchlafqualitĂ€t verbessern
  • Traumwelt-Motive helfen bei der Überwindung kĂŒnstlerisch-kreativer Blockaden
  • Anhand eines Traumtagebuchs kannst Du Dein persönliches Wachstum nachverfolgen

Anleitung: So dokumentierst Du Deine TrÀume

Jeder Mensch bewegt sich in seiner persönlichen Gedankenwelt, die sich von der aller anderen unterscheidet. Auch die Ziele, die mit einem Traumtagebuch verfolgt werden, können sehr unterschiedlich sein: Der Eine will seine AlptrĂ€ume loswerden. Die Andere nimmt an einem psychologischen Forschungsprojekt teil. Ein Dritter will durch Hinweise aus der Traumwelt ein Problem lösen. Deswegen gibt es viele verschiedene Arten, ein Traumtagebuch zu fĂŒhren.

Du kannst Dein Traumtagebuch von Hand schreiben oder in Dein Smartphone bzw. Tablet tippen. Bei der elektronischen Variante kannst Du Deine Notizen in ein Textprogramm eingeben, findest in den App-Stores aber auch zahlreiche Traumtagebuch-Apps. Mitunter lassen sich seriöse Angebote und pseudo-psychologischer Nepp allerdings kaum auseinanderhalten. Der Griff zu Block und Stift ist dagegen sicher und liegt vielen auch emotional nÀher.

Eine Studie der US-UniversitĂ€t Princeton konnte zudem zeigen, dass wir handschriftliche Notizen offenbar besser verstehen und behalten. Psycholog*innen glauben, dass wir von Hand Niedergeschriebenes stĂ€rker verinnerlichen als Texte, die wir mithilfe einer Tastatur elektronisch erfassen. Deshalb empfehlen Fachleute hĂ€ufig, TraumtagebĂŒcher mit der Hand zu fĂŒhren.

Die EintrĂ€ge in Dein Traumtagebuch solltest Du auch spĂ€ter noch verstehen können, falls Du nachschlagen willst. Notiere ruhig alles, was Dir in den Sinn kommt. Jedes GefĂŒhl, jeder Gedanke, jeder Deutungsansatz kann fĂŒr das Verstehen von Symbolen und Traumbotschaften wesentlich sein. Schreibe alles ungefiltert auf. Wenn Du magst, zeichne Illustrationen. Auch Wörter aus anderen Sprachen oder Symbole wie Musiknoten oder mathematische Zeichen sind geeignet.

Im Buchhandel sind gleich mehrere vorgefertigte TraumtagebĂŒcher erhĂ€ltlich. In Buchform oder online findest Du auch ausfĂŒhrliche Anleitungen, mit deren Hilfe Du Dich noch stĂ€rker ans Thema annĂ€hern kannst. Viele Menschen möchten lieber erst ausprobieren, ob ein Traumtagebuch das Richtige fĂŒr sie ist. Wenn das auch auf Dich zutrifft, nutze zunĂ€chst kostenlose Vorlagen aus dem Internet oder entwirf Dein ganz individuelles Formular.

Wichtig ist, dass Dein Traumtagebuch jederzeit griffbereit liegt: Nur so schaffst Du es, Deine Traum-Erinnerungen sofort nach dem Aufwachen niederzuschreiben. Die Form ist zweitrangig, solange Du nur dranbleibst. Im Folgenden findest Du einige VorschlÀge dazu, was Du auf welche Weise in Deinem Traumtagebuch festhalten könntest. Welche dieser Bausteine Du tatsÀchlich nutzt, liegt allein bei Dir und kann sich mit der Zeit auch verÀndern.

So schreibst Du ein Traumtagebuch: 10 praktische Tipps

  1. Schreibe den Vorsatz, Dich ab sofort an Deine TrĂ€ume zu erinnern, in eigenen Worten auf − etwa als Motto ganz vorn in Dein Traumtagebuch.
  2. Notiere beim Schlafengehen stichwortartig das Wichtigste des vergangenen Tages. Ist etwas Besonderes geschehen? Was hat Dich bewegt? Hast Du Alkohol oder andere Substanzen zu Dir genommen, die Deine TrÀume beeinflussen könnten? Mit welchen Personen hast Du Kontakt?
  3. Lege Dein Traumtagebuch direkt ans Bett, damit Du Deine TrÀume auch nachts zeitnah notieren kannst. WÀhle die Form, die Dir am sympathischsten ist: ein Notizbuch, eine Kladde, einen Block, lose BlÀtter zum Abheften oder eine App auf Handy oder Tablet.
  4. Bleibe beim Aufwachen noch kurz mit geschlossenen Augen liegen. SpĂŒre Deinen letzten Traum-Gedanken nach und frage Dich, was davor passiert ist − bis Dir nichts Weiteres mehr einfĂ€llt.
  5. Notiere zunĂ€chst Datum, ungefĂ€hre Uhrzeit und einige Stichwörter zum erinnerten Traum-Szenario. Dieses grobe Raster dient als GedĂ€chtnisstĂŒtze, damit Dir wĂ€hrend des Schreibens nichts Wichtiges entfĂ€llt. Du kannst es bei Bedarf spĂ€ter noch ergĂ€nzen.
  6. Schreibe in der Ich-Form, in der Gegenwart und in eher schlichten SĂ€tzen („Ich gehe einen Weg entlang. Plötzlich komme ich an eine Gabelung. Ich fĂŒhle mich unsicher…“).
  7. Notiere nicht nur Ereignisse, Personen und Symbole aus Deinem Traum, sondern auch Deine GefĂŒhle. Halte außerdem fest, wie es Dir beim Aufwachen ging.
  8. Gib jedem Traum eine charakteristische Überschrift. So findest Du ihn spĂ€ter schneller wieder.
  9. Gewöhne Dir an, die IntensitĂ€t Deiner GefĂŒhls-Wahrnehmung in einer gleichbleibenden Skala (z. B. von 1 bis 10) zu notieren.
  10. Spare nichts aus. Auch scheinbar sinnlose, peinliche oder unangenehme Traum-Erinnerungen oder deren BruchstĂŒcke trainieren Dein Erinnerungsvermögen und tragen zum Verstehen bei.

Viele dieser Anregungen mögen zunÀchst umstÀndlich oder zeitraubend klingen. Bereits wenige Minuten tÀgliches Training lassen die Aufzeichnung Deiner TrÀume jedoch zur lieben Gewohnheit werden: Nach kurzer Zeit wirst Du Deine persönliche Traumtagebuch-Routine entwickeln. Du kannst Dein Traumjournal sogar zu einem kombinierten Traum- und Wach-Tagebuch ausbauen. Damit sortierst und reflektierst Du zugleich auch Deine Alltagserlebnisse.

⚠ Wichtiger Hinweis

Ein wichtiger Gesundheits-Hinweis zum Schluss: Wer ĂŒber lĂ€ngere Zeit sehr stark unter AlptrĂ€umen oder traumbedingten Schlafbeschwerden leidet, sollte sich unbedingt zusĂ€tzlich therapeutische UnterstĂŒtzung holen.

FAQ

In einem Traumtagebuch notiert man datierte Erinnerungen an TrĂ€ume und deren Inhalte. Auch Assoziationen, GefĂŒhle, Ereignisse, Personen oder Symbole im Zusammenhang mit dem jeweiligen Traum können darin erfasst und reflektiert werden.

TrÀume gleich nach dem Aufwachen zu notieren, erleichtert die Loslösung von der Traumwelt. So startet man unbelastet in den Tag. Kontinuierliche Aufzeichnungen decken wiederkehrende Muster und AblÀufe auf, die auf innere Konflikte hindeuten. Auch VerÀnderungen und emotionale Entwicklungen lassen sich aus einem Traumtagebuch ablesen.

EintrĂ€ge in ein Traumtagebuch können aus Worten, aber auch aus Zeichnungen, Schemata oder Symbolen bestehen. Wichtig ist, dass sie fĂŒr die Person, die das Tagebuch fĂŒhrt, auch spĂ€ter weiterhin nachvollziehbar bleiben. Einfachste Mittel wie Block und Bleistift genĂŒgen. Online und im Buchhandel gibt es auch Vorlagen in Form von pdf-Dateien, Apps oder BĂŒchern.

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