Headspace – eine Schlafanleitung: Guter Schlaf zum Streamen auf Netflix?

Aktualisiert am 24. August 2023
Veröffentlicht am 19. Juli 2021

Schlafen können wir alle. Aber was wissen wir eigentlich ĂŒber den Schlaf? Die Netflix Serie “Headspace: Eine Schlafanleitung” widmet sich in sieben kurzen Episoden dem Thema Schlaf. Dabei werden durchaus Einsichten prĂ€sentiert, die fĂŒr Einsteiger*innen in die wichtige Wissenswelt des Schlafes nĂŒtzlich sein können.

EinfĂŒhrung: Headspace – eine Schlafanleitung: Guter Schlaf zum Streamen?

Fragt man die BundesbĂŒrger*innen, so sagt jede/r zweite, dass er nicht genug schlĂ€ft. Laut DAK-Gesundheitsreport 2017 sollen 80 Prozent der ErwerbstĂ€tigen sogar schlecht schlafen. Es sind wohl auch diese Statistiken, die den Streaming-Riesen Netflix dazu veranlasst haben, inmitten von Thrillern, Mystery-Serien oder SciFi-Abenteuern eine Serie ĂŒber den Schlaf zu platzieren. “Headspace: Eine Schlafanleitung” verbindet Informationen ĂŒber den Schlaf aus Schlafforschung und -medizin mit kurzen AchtsamkeitsĂŒbungen und Meditationen, die beim Einschlafen helfen sollen. Wir haben die 7 Folgen angeschaut und informieren ĂŒber eine Serie, die auf intelligente Art und Weise mĂŒde macht, ohne verschnarcht zu sein.

Was ist Headspace?

Headspace ist eigentlich eine Meditations-App. Sie soll dabei helfen, Deine Aufmerksamkeit nach innen zu richten und den Geist aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Beim Abo-Modell kann aus mehreren hundert Meditationen zu verschiedenen Themen ausgewĂ€hlt werden. Ob Dir das zum Beispiel 10 Euro pro Monat an GebĂŒhren wert ist, musst Du selbst entscheiden. Um die Netflix-Serie zu sehen, benötigt man nur den Netflix-Account. Gesonderte GebĂŒhren fallen nicht an.

Der Aufbau der Serie

Jede Folge der Serie “Headspace: Eine Schlafanleitung” hat einen Themenschwerpunkt, der in einfacher, nachvollziehbarer Sprache wichtige Informationen zum Schlaf bereitstellt. Dazu hören wir die angenehme, sanft-ruhige Stimme einer Frau namens Eve und sehen Animationen, die das Gesagte illustrieren. Zum Abschluss gibt es jeweils eine AchtsamkeitsĂŒbung/ Meditation, die beim Einschlafen helfen soll. Die Folgen sind ca. 15 min lang. Ein gutes Maß, um sie als Betthupferl zu nutzen.

Folge 1 “Besser schlafen”

Immer noch kursieren Gedanken zum Thema Schlaf in unserer Mitte, die man einmal hinterfragen sollte. Genau das macht die erste Folge der Netflix-Serie “Headspace: Eine Schlafanleitung”. Es geht also um Schlafmythen. Braucht der Mensch 8 Stunden Schlaf? Ist intensiver Sport vor dem Zubettgehen sinnvoll? Ein GlĂ€schen Alkohol kann doch vor dem Schlafengehen eigentlich auch nicht schaden, oder? Diese und andere Fragen und Antworten bilden einen guten Einstieg, um sich mit dem eigentlich sehr komplizierten und wissenschaftlich anspruchsvollen Thema Schlaf zu beschĂ€ftigen. Auch in diesem Blog findest Du eine ausfĂŒhrliche Besprechung der sogenannten Schlafmythen.

Folge 2 “Das Telefon ruhen lassen”

Ein Leben ohne Handy können sich die meisten von uns sicher nicht mehr vorstellen. Es ist unbestritten, dass Technologie unser Leben einfacher gemacht hat und einfacher macht. Greifen wir einmal in die Mottenkiste der Binsenweisheiten und sagen an dieser Stelle: Da wo Licht, ist auch Schatten. Wobei in diesem Fall das Licht eigentlich der Schatten ist. Denn mit der Erfindung der GlĂŒhbirne, also des kĂŒnstlichen Lichts haben sich auch die UmstĂ€nde fĂŒr unser Schlafverhalten geĂ€ndert. Darum geht es in dieser Folge der Serie. Hauptquelle fĂŒr blaues Licht war frĂŒher die Sonne. Heute sind es auch PCs, Laptops oder Smartphones, die dieses Spektrum des Lichts ausstrahlen. Blaues Licht unterdrĂŒckt Melatonin, ein wichtiges Hormon, das uns schlĂ€frig macht. Ausreichend erforscht ist der Zusammenhang zwischen der Displaybeleuchtung und dem Schlaf zwar noch nicht, dennoch lohnt es sich, die elektronischen GerĂ€te rechtzeitig vor dem Zubettgehen “aus den Augen zu verlieren”. Warum erfĂ€hrst Du in dieser Episode der Netflix-Serie.

Folge 3 “Die sonderbare Welt der TrĂ€ume”

Eine Schlafanleitung kommt natĂŒrlich nicht ohne die BeschĂ€ftigung mit dem TrĂ€umen aus. Die dritte Folge widmet sich folgerichtig der Welt der TrĂ€ume. Wenn wir trĂ€umen, funktioniert zwar unser Bewusstsein, aber das Gehirnareal, das zwischen real und fiktiv unterscheidet, ist quasi abgemeldet. Das trifft in der Regel auch fĂŒr die Muskeln in Armen und Beinen zu, so dass wir unsere TrĂ€ume nicht ausleben. Wenn wir etwa im Traum vor einer Bedrohung fliehen, bleiben wir trotzdem im Bett liegen. Irgendwie beruhigend. Dass man sich manchmal an TrĂ€ume erinnern kann und manchmal nicht, scheint davon abhĂ€ngig zu sein, wie intensiv unsere Mikro-Wachphasen in der Nacht sind. Denn sobald wir – auch wenn es nur sehr kurz ist – wach werden, vollbringt das Gehirn gleich eine Erinnerungsleistung. Thematisiert wird in dieser Folge auch die Image Rehearsal Therapy zur zielgerichteten VerĂ€nderung von AlptrĂ€umen und das sogenannte luzide TrĂ€ume. Auch wir haben diesen spannenden Themen unter diesem und unter diesem Link bereits ausfĂŒhrliche Artikel gewidmet.

Folge 4 “Stress loslassen”

Wie leicht geht uns der Satz ĂŒber die Lippen: “Du ich kann grad’ nicht, ich bin im Stress.” Druck und Anspannung scheinen selbstverstĂ€ndliche Begleiter unseres Alltags zu sein. Das fĂŒhrt dann dazu, dass wir bisweilen im Bett liegen, mĂŒde sind, aber trotzdem kein Auge zubekommen. Um den Stress als Schlafkiller geht es in dieser Folge. Dazu wird anschaulich vorgefĂŒhrt, wie Wachheit und SchlĂ€frigkeit zusammen hĂ€ngen. Guter erholsamer Schlaf fĂŒhrt zu einem hohen Grad an Wachheit und geringer SchlĂ€frigkeit. Wie auf einer Wippe Ă€ndert sich dieses VerhĂ€ltnis im Verlauf eines Tages. Sobald das SchlafbedĂŒrfnis ĂŒberwiegt, gehen wir vom Zustand der MĂŒdigkeit in den Schlaf ĂŒber. Leider zeigt dann hĂ€ufig der Stress sein Gewicht: Geldsorgen, Ärger bei der Arbeit oder Beziehungsprobleme zum Beispiel. Solche stressigen Ereignisse klingen nach, setzen das Gedankenkarussell in Bewegung und sorgen fĂŒr die AusschĂŒttung von Stresshormonen. Das sind Wachmacher, die nun gewissermaßen mit den Schlafhormonen ĂŒber Kreuz liegen. Die Episode erklĂ€rt einfach und nachvollziehbar, was da genau passiert, unter anderem auch in Bezug auf den sogenannten “Erste-Nacht-Effekt”, also dem PhĂ€nomen, dass unsere ersten NĂ€chte in neuer Schlafumgebung wie Hotels oder Pensionen oft sehr unruhig sind. Und das Enten, die am Rande ihrer Gruppe schlafen, ein Auge offen haben, ist auch sehr interessant. Also ruhig mal reinschauen in diese Folge.

Folge 5 “Fakten zu Schlaftabletten”

Studien zufolge soll die SchlafqualitĂ€t mehr Einfluss auf die LebensqualitĂ€t haben als das Einkommen. Das klingt nachvollziehbar, denn dauerhaft nicht erholsamer Schlaf fĂŒhrt zu Übergewicht, hohem Blutdruck und womöglich Herzerkrankungen. Da ist ein prall gefĂŒlltes Konto dann auch kein Trost mehr. Insofern verwundert es nicht, dass es einen riesigen Markt fĂŒr Schlafmedikamente gibt, die schnelle Abhilfe bei Schlafproblemen versprechen. Diese Folge der Netflix-Serie zeigt sich allerdings skeptisch gegenĂŒber den vermeintlichen Heilsbringern. Denn was passiert genau, wenn die schlaffördernden Botenstoffe, die eigentlich der Körper herstellen sollte, von außen zugefĂŒhrt werden? Schaut einfach mal rein in diese Episode. 

Folge 6 “Auf die Matte mit der Schlaflosigkeit”

In dieser Folge geht es um die Insomnie, also die krankhafte Schlafstörung. NatĂŒrlich ist es dabei wichtig zu ermitteln, welche GrĂŒnde das Schlafproblem hat. Sind es womöglich die Gene, die ĂŒber unsere SchlafqualitĂ€t entscheiden? TatsĂ€chlich hat die Wissenschaft anhand von Experimenten mit Fliegen Schlaf-Gene entschlĂŒsselt. Allerdings wirken auf die SchlafqualitĂ€t zahlreiche Faktoren ein. Die Gene alleine scheinen also nicht zu entscheiden, wie gut oder schlecht wir schlafen. In diesem Zusammenhang gibt es aber keine allgemeingĂŒltigen Rezepte fĂŒr eine erholsame Nachtruhe. Dazu sind die Menschen und ihre LebensumstĂ€nde einfach zu verschieden. Diese Folge zeigt, dass man selbst einiges tun kann, um die persönliche SchlafqualitĂ€t zu verbessern. Damit lĂ€sst sich bereits viel erreichen, um Schlafstörungen vorzubeugen oder gar zu beheben.

Folge 7 “Dein perfekter Schlafrhythmus”

Wir hatten schon angesprochen, dass Schlaf eine sehr individuelle Angelegenheit ist. Zwar kann man festhalten, dass unser aller Schlaf zahlreiche gemeinsame Merkmale hat, das konkrete Schlafmuster ist allerdings bei uns allen verschieden. Um einen einfachen Vergleich zu ziehen: Wir haben alle einen Daumen, aber jede*r von uns hat einen anderen Fingerabdruck. Wie findest Du aber jetzt Deinen persönlichen Schlafrhythmus? Darum geht es in dieser Folge. Auch hier wird eine Erkenntnis zitiert, die zahlreiche Schlafforscher*innen teilen: Wichtiger als die Einschlafzeit ist die Aufwachzeit. Wer kann, sollte versuchen, immer um die gleiche Zeit aufzustehen. Da wir die Schlafphasen der Nacht in ca. 90 Minuten langen “Runden” absolvieren, kannst Du von Deiner Aufwachzeit in 90 Minuten Schritten zurĂŒckgehen, um auf die ausreichende Menge Schlaf zu kommen. 5 Blöcke sind wahrscheinlich auch fĂŒr Dich gut geeignet. Wenn es mal 4 oder 3 werden, so lĂ€sst sich das bei vielen von uns durch vermehrten Schlaf in der Folgenacht durchaus wieder kompensieren. Schau Dir am besten einmal diese Folge an und nutze sie als Denkanstoss fĂŒr Deinen persönlichen Schlafrhythmus.

Fazit

Die Netflix Serie “Headspace: Eine Schlafanleitung” ist ein gelungenes Format, um sich mit einem Thema zu beschĂ€ftigen, das in unserem hektischen Alltag ein Schattendasein fĂŒhrt. Gemeint ist der Schlaf. Die sieben Episoden sind sehr interessant, nett animiert und vermeiden es, das Thema zu verkomplizieren. Menschen, die sich schon ausfĂŒhrlicher mit dem Thema Schlaf beschĂ€ftigt haben, bieten sie nicht unbedingt fundamental neue Erkenntnisse. Aber fĂŒr Einsteiger*innen in die Erkenntnis-Welt des Schlafs sind sie gut geeignet. Auch die AchtsamkeitsĂŒbungen und Meditationsanleitungen, die jede Folge beschließen, sind zu empfehlen. Auch wenn Meditation nicht jedermann/fraus Sache ist, so zeigt sie doch zum Abschluss der jeweiligen Folge, was wirklich wichtig ist: Der Schlaf gehört dem Schlaf. Wir sollten uns auf ihn konzentrieren und all die anderen Themen, die uns womöglich gerade durchfluten, auf den kommenden Tag verlegen. Der Schlaf kann uns dabei nur helfen, wenn er das sein darf, was er ist: Ruhe und Erholung.

FAQ

Headspace geht zurĂŒck auf den Briten Andy Puddicombe. Mit seinem Unternehmen hat er eine App zum Meditieren entwickelt. Mittlerweile gibt es Meditationen zu unterschiedlichen Themenbereichen. FĂŒr Headspace arbeiten inzwischen rund 260 Mitarbeiter mit Hauptsitz in Los Angeles.

Folgende Kosten fallen an: Im monatlichen Abonnement kostet der Dienst 12,99 € pro Monat. Die erste Woche ist kostenlos. FĂŒr das jĂ€hrliche Abo zahlt man 57,99 € pro Jahr.

Hierzu schreibt die Verbraucherzentrale: Mit dem Inkrafttreten des “Digitale Versorgungs-Gesetz” (DVG) können bestimmte Gesundheits- oder Medizin-Apps fĂŒr gesetzlich Versicherte zu einer Kassenleistung werden. Man spricht von “digitalen Gesundheitsanwendungen”, kurz “DiGA”, die in einem eigenen Verzeichnis gelistet sind.

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