Snooze Project erklärt: Viscoschaum bzw. Memory Schaum und die Visco Matratzen [Projekt: Matratzenkunde]

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Deine kleine Matratzenkunde: Die Visco Matratze

Nutzer-Erfahrungen mit der Visco-Matratze weichen stark voneinander ab – ja, zum Teil widersprechen sie sich sogar. Manche Schläfer lieben ihre Visco-Matratze total, doch andere fluchen schon nach einer Nacht auf Viscoschaum über üble Rückenschmerzen und den miesesten Schlaf ever. Wie kann es sein, dass Menschen dermaßen unterschiedliche Meinungen über ein und denselben Matratzentyp haben? Und was hat es mit den viel versprechenden Visco-Gel-Matratzen auf sich? Das Team von Snooze Project deckt auf, was eine viscoelastische Matratze ausmacht – und ob sie Dir tatsächlich den optimalen Schlafkomfort bietet.

Ein Material mit vielen Namen

Memory Foam, Shock Absorbing Foam (stoßabsorbierender Schaum), Tempur®, Visko-Mineralschaum, Astronauten-Schaumstoff: Es gibt viele phantasievolle Bezeichnungen für die Materialien, aus denen Visco-Matratzen hergestellt werden. Deren Eigenschaften ähneln sich jedoch bei genauerer Betrachtung ziemlich stark – das liegt vermutlich daran, dass sich fast jeder Hersteller seine eigenen Namen ausdenkt. Beim Marketing sorgt das für einen guten Sound: Gurken kennt schließlich auch jeder, doch bei „Natural Grown Veggie-Sticks“ horchen alle auf. Hip soll es also klingen, auch wenn es sich in Wirklichkeit nicht um etwas wirklich Neuartiges handelt.

Schäume im Weltall

An der vielzitierten Story, dass Visco-Matratzen auf einer Erfindung der NASA basieren, ist etwas Wahres dran. Allerdings entwickelte die US-Weltraumbehörde in ihren Labors kein Material für die Matratzen ihrer Astronauten, sondern für deren Sitze: Besonders während des Starts lastet auf den Körpern von Raumfahrern ein enorm hoher Druck, den es durch besonders anpassungsfähige Polster auszugleichen galt.

Nicht vom Himmel gefallen: Die viscoelastische Matratze

Nachdem die NASA ihre Erfindung zu Beginn der 80er Jahre für die allgemeine Nutzung freigab, entdeckte die Matratzenindustrie rasch andere Einsatzmöglichkeiten für das druckentlastende Material. Seit 1991 werden Visco-Matratzen und -Topper in allen handelsüblichen Größen wie 80x200, 90x200, 100x200, 120x200, 140x200, 160x200 und 180x200 vermarktet. Moment mal: Seit 1991?! Ist ja doch schon wieder ein ganzes Weilchen her... Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht! 

Besondere Eigenschaften der Visco-Matratze

Tja, war wohl nix mit dem innovativen High-Tech-Image. Aber was macht die Viscomatratze dann so besonders? Die Silbe „visco“ bedeutet zäh. Sie beschreibt die typische Reaktion dieses speziellen PU-Schaumstoffs: In Matratzen verbaut, gibt er bereits bei leichtem Druck punktgenau nach. Dein Körper kann langsam in die Matratze einsinken wie in eine honigartige Flüssigkeit. So entsteht eine Kuhle, die Deine Körperkonturen exakt umschließt. Die hohe Anpassungsfähigkeit von Visco-Schaum sorgt für maximale Druckentlastung ohne nennenswerten Gegendruck – allerdings auch ohne die wichtige Stützfunktion anderer Materialien.

Viscoelastische Matratzen: Erst schüchtern, dann heiß

Viscoelastischer Memory-Schaum verformt sich unter gleichzeitiger Einwirkung von Druck und Körperwärme. Das passiert immer mit einer kleinen Verzögerung: Die thermoelastische Visco-Matratze muss zunächst mal mit Dir warm werden – erst dann schmiegt sie sich unter Einwirkung Deines Körpergewichts konturgenau an. Das tut sie dann aber auch derart gründlich, dass es auf ihr mega-mollig werden kann: Da unter Deiner Körperfläche keinerlei Hohlräume verbleiben, finden Luftzirkulation und Wärmeableitung kaum mehr statt.

Visco-Matratzen von innen

Die meisten Viscoschaum-Matratzen bestehen aus einer Kombination verschiedener Materialien – eine Matratze aus purem Viscoschaum wäre zu nachgiebig und könnte Deiner Muskulatur keine ausreichende Stützung bieten. Viscoschaum ist träge in seiner Rückstellung zur Ausgangsform und bietet null Gegendruck. Viele Viscomatratzen bekommen deshalb einen Innenkern aus Kaltschaum oder Taschenfedern: Dieser verhindert ein zu tiefes Einsinken und sorgt als Bonus auch für bessere Durchlüftung. Außen herum wird nun eine mehr oder weniger dicke Schicht aus Viscoschaum aufgebracht.

Einseitige Visco-Beschichtung 

Befindet sich nur auf einer Seite eine Visco-Schicht, darf diese ruhig mal dicker ausfallen: Wenn Dir ein tieferes Einsinken bei großer Druckentlastung wichtig ist, liegst Du hier richtig. Diese Bauart enthält oft auch eine offenporige Zwischenschicht, die für ein angenehmes Schlafklima sorgt. Nachteilig kann sich die Trägheit einer dicken Viscoschaum-Schicht beim Wechsel Deiner Schlafposition auswirken: Dann stört der „Kampf gegen die Kuhle“ Deinen Nachtschlaf, und Du steigst morgens müde aus den Federn.

Beidseitige Visco-Beschichtung

Matratzen, die rundum über eine viscoelastische Außenschicht verfügen, passen sich nach einem Positionswechsel schneller an – doch dafür kann Dein Körper weniger tief einsinken, weil die Viscoschicht hier dünner ausfällt. Du bist ein sehr lebendiger Schläfer? Dann wäre genau das ein großer Vorteil für Dich: Auf einer solchen Matratze musst Du Dir nicht erst jedes Umdrehen mühsam erkämpfen. Ein weiteres Plus: Beidseitig beschichtete Visco-Matratzen können gewendet werden. Oft bieten sie Sommer- und Winterseiten mit unterschiedlichen Wärmeeigenschaften.

Der Visco-Topper: Praktisches Patentrezept?

Kunden, die sich mehr Schlafkomfort wünschen, ihre bisherige Matratze aber noch nicht austauschen wollen, wird oft zu Visco-Komfortauflagen geraten. Leider erwähnen die meisten Anbieter dabei nicht, dass sich in Wahrheit nur etwa 10% aller Matratzen dank eines besonders atmungsaktiven Bezugs überhaupt zur Nachrüstung mittels eines Visco-Toppers eignen. Der Grund: Eine viscoelastische-Matratzenauflage kann die genau austarierte Belüftung der vorhandenen Matratze empfindlich stören.

Viscoelastische Matratzenauflage: Schlechter als ihr Ruf 

Schnelle Lösungen sind häufig nicht die besten: Dieser einfache Grundsatz gilt leider auch für Visco-Matratzenauflagen. Selbst dünne Visco-Topper sind nicht gerade billig – und zaubern können sie ebenfalls nicht. Ist Deine alte Matratze unbequem oder durchgelegen, kann auch die beste Visco-Auflage nichts mehr retten. Unser Tipp: Lieber noch ein bisschen weitersparen und später gleich eine gute Matratze mit der zu Deinen Schlafbedürfnissen passenden Ausstattung kaufen.

Vorteile der Visco-Matratze 

Durch ihre exakte Anpassung an die Körperkontur eignen sich viscoelastische Matratzen speziell für Personen, die lange in der gleichen Position liegen. Deshalb werden Matratzen aus Memory-Schaum gern in Krankenhäusern, Seniorenheimen und Rehakliniken eingesetzt – sie können druckgefährdete Bereiche wie Wirbelsäule, Gelenke und Becken spürbar entlasten. Bei Rückenschmerzen, Muskelverspannungen und Nervenschmerzen sowie zur Vorbeugung von Dekubitus (Wundliegen) ist die Visco-Matratze durchaus einen Versuch wert.

Passend für Frostbeulen und Allergiker 

Visco-Matratzen reagieren auf Wärme. Falls Du Dein Schlafzimmer gerne auf 16° C oder mehr heizt, wird dies die Nachgiebigkeit einer Viscoschaum-Matratze verstärken – Du profitierst also eher vom typischen Effekt solcher Memoryschäume. Generell isolieren Viscomatratzen äußerst gut: Ideal also für alle, die am liebsten kuschelig warm schlafen. Wie alle Schaummatratzen sind auch Viscomatratzen absolut geräuschlos – diesen Punkt haben sie besonders den einfachen Bonell-Federkernmatratzen klar voraus. Außerdem eignen sich viscoelastische Matratzen gut für Allergiker: Milben finden hierin keinen Lebensraum.

Nachteile der Visco-Matratze 

Die meisten Hersteller behaupten, dass sich ihre Viscomatratzen für alle Schlaftypen gleichermaßen eignen. Leider sieht die Realität anders aus: Viele Käufer sind zunächst begeistert, fühlen sich im Laufe der Zeit aber jeden Morgen verspannter. Die gewollte Kuhlenbildung von Viscomatratzen sorgt zwar für Druckentlastung, erschwert zugleich aber nächtliche Wechsel der Liegeposition. Du bist ein sehr aktiver Schläfer? Dann eignet sich eine Latexmatratze oder Kaltschaummatratze eindeutig besser für Dich. Auch die Visco-Gel-Matratze kann dank ihrer zusätzlichen Schicht aus hochelastischem Gelschaum mehr: Ihre hohe Rückstellkraft erzeugt Gegendruck, wodurch sie Deinen Körper komfortabel abstützt.

Brettharte Probleme und Nässestau 

Du magst Dein Schlafzimmer gern kühl? Dann ist Viscoschaum nicht ideal für Dich. Memory-Matratzen sind thermoelastisch – und fühlen sich im kalten Zustand fast so hart an wie ein Brett. Auch, falls Du nachts zu starkem Schwitzen neigst, passen Federkernmatratzen oder atmungsaktive Kaltschaummatratzen (wie zum Beispiel die von Snooze Project) besser zu Dir. Sie leiten auch ein Mehr an Feuchtigkeit zügig nach außen. Bereits 2010 ergab ein Matratzen-Test der Stiftung Warentest ein ähnliches Bild: Die vier getesteten Visco-Matratzen mit Preisen zwischen 320 und 500 Euro schnitten im Vergleich mit Kaltschaum-Matratzen merklich schlechter ab. Hauptgründe: Die eingeschränkte Bewegungsfreiheit und das unzureichende Schlafklima.

Hohe Preise: Teure Werbung statt Schlafkomfort 

Na klar, auch aus Sicht des Snooze Project Teams hat gute Qualität ihren Preis. Doch wir finden, dass Du für Dein Geld auch einen echten Gegenwert erwarten kannst: Richtig guten Schlaf eben! Zahlreiche Viscomatratzen werden im oberen Preissegment gehandelt. Doch das liegt längst nicht mehr an den anfänglich hohen Entwicklungs- und Herstellungskosten, sondern am cleveren Werbekonzept. Visco-Matratzen werden noch über 25 Jahre nach ihrer Markteinführung als innovative Weltraum-Hightech angepriesen – und das, obwohl unzählige Kunden mit vielseitigeren Matratzentypen zu günstigeren Preisen deutlich bessere Erfahrungen machen. Auch die neuartigen One-fits-All-Matratzen bieten Dir oft entschieden mehr fürs Geld.

Viscomatratze: Augen auf beim Kauf! 

Viele moderne Matratzen-Start-ups wie Snooze Project kommen ganz ohne Hochglanzprospekte, teure TV-Spots und mitverdienende Zwischenhändler aus. Der erzielte Gewinn kann auf diese Weise in hochwertige Ausgangsmaterialien und großzügigen Kundenservice investiert werden. Zu Letzterem gehört auch das unverbindliche Probeschlafen – ohne diese Option solltest Du heute keine Matratze mehr kaufen müssen. Speziell Viscomatratzen erscheinen zunächst superbequem, während sich ihre Eigenheiten erst nach Wochen bemerkbar machen. Nach 100 Tagen und Nächten kannst Du selbst am allerbesten beurteilen, ob Deine neue Matratze wirklich zu Dir passt.

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