Warum reden wir im Schlaf?

Aktualisiert am 5. Mai 2022
Veröffentlicht am 9. Oktober 2021

Merke: Somniloquie

Somniloquie, also das Reden im Schlaf, ist noch nicht umfassend erforscht. Falls sich der Partner oder die Partnerin davon nicht gestört fühlt, ist das Phänomen in der Regel harmlos und nicht gefährlich. Geheimnisse werden im Schlaf normalerweise nicht ausgeplaudert.

 

Einführung: Warum reden wir im Schlaf? Somniloquie und ihre Ursachen

Nein, nein, nein, geh weg, brr, arrgh – das klingt jetzt etwas wirr für den Beginn eines Artikels. Doch wenn es um das Reden im Schlaf geht, ist dieser Einstieg durchaus gerechtfertigt. Denn die Somniloquie – so heißt das Fachwort für das Reden im Schlaf – bezeichnet das Sprechen von verständlichen/unverständlichen Wörtern und auch ganzen Sätzen im Schlaf. Ist das bedenklich? Verraten wir Geheimnisse im Schlaf? Ist das eine Schlafstörung, die behandelt werden muss? Diesen Fragen wollen im folgenden Beitrag nachgehen.

Was ist Somniloquie?

Wenn wir während des Schlafs sprechen, so nennen Fachleute das Somniloquie. Die Somniloquie gehört zu den Parasomnien, also zu den schlafbezogenen Störungen wie etwa Schlafwandeln (Somnambulismus), Zähneknirschen (Bruxismus) oder die nächtliche Panik (Pavor nocturnus). Das Wort “Parasomnie” verdanken wir dem Griechischen und bedeutet in etwa “neben dem Schlaf”.

Das Spektrum der Somniloquie reicht über die Aussprache von klaren Worten und ganzen Sätzen bis hin zum Äußern von undifferenzierten Lauten.

Ist Somniloquie gefährlich?

Einen Krankheitswert weist das Sprechen im Schlaf nicht auf. Man könnte also sagen, eigentlich ist es harmlos. Auch wenn die Somniloquie zu den Parasomnien zählt, gilt sie nicht als echte Schlafstörung.

Dennoch kann das Sprechen im Schlaf problematisch werden. Zum Beispiel dann, wenn sich der/die Bettpartner*in durch das “Gebrabbel” gestört fühlt. In diesem Fall wird der Schlaf gestört und man muss nach Lösungen suchen.

Wann reden wir im Schlaf?

Dass wir im Schlaf sprechen, kann während aller Schlafphasen auftreten. Häufig ist die Somniloquie aber während der REM-Phase, also der Traumphase zu beobachten. Forscher gehen deshalb davon aus, dass die Wortfetzen bzw. Sätze in Verbindung mit einem Trauminhalt stehen.

Was ist der Grund für die Somniloquie?

Wir haben schon ausgeführt, dass das Reden im Schlaf keinen wirklichen Krankheitswert hat. Daher gibt es auch in der Wissenschaft keine erschöpfenden Bemühungen, das Phänomen bis in das letzte Detail zu enträtseln. Die Studienlage ist also eher dünn. Als Standardwerk gilt Sleep Talking: Psychology and Psychophysiology von Arthur Arkin. Der Schlafforscher weckte Probanden auf, nachdem sie im Schlaf gesprochen hatten und befragte sie zu ihrem letzten Traum.

Deutlich wurde, dass die Worte und Sätze, die die Schlafenden vor sich hin murmelten mit dem Traum in Verbindung standen. Ebenso hat sich gezeigt, dass Alkohol, Stress und Fieber das Reden im Schlaf begünstigen.

Wie häufig kommt Reden im Schlaf vor?

Bei Kindern im Alter zwischen 3 und 10 Jahren sprechen um die 50 Prozent in Verbindung mit dem Schlaf. In der Pubertät legt sich das Phänomen, weshalb nur noch ca. 5 Prozent der Erwachsenen im Schlaf reden. Wie gesagt, solche Zahlen sind mit Vorsicht zu genießen, da auch viele Menschen alleine schlafen, und es daher unbemerkt bleibt, wenn sie im Schlaf reden.

Hoch im Kurs: das Nein!

Worüber sprechen die Menschen eigentlich im Schlaf? Das wollte Professorin Isabelle Arnulf, Präsidentin der French Society for Sleep Research and Sleep Medicine (SFRMS), herausfinden. Gemeinsam mit ihrem Forscherteam “belauschte” sie 232 Probanden in einem Schlaflabor. Jeder Laut wurde dabei analysiert. Insgesamt wurden 883 Sprachfetzen notiert. 60 Prozent waren nonverbal. 3.349 erkennbare Worte konnten die Forscher identifizieren. Einen großen Anteil bildete das Wort “Nein”, dicht gefolgt von “Du” und dem Verb “sein”. Auch interessant: Jede zehnte im Schlaf getätigte Aussage bildete ein Schimpfwort.

Verraten wir Geheimnisse im Schlaf?

“Zieh Leine, du Mistkerl” Solltest Du solche Worte aus dem Mund Deines/Deiner Bettpartner*in vernehmen, sind Sorgen unangebracht. Was wir im Schlaf plappern folgt nicht einer Logik, die der Wahrheit verpflichtet wäre. Träume, der Stress des Tages, die Alltagserlebnisse werden verarbeitet und das in einem ziemlichen Kuddelmuddel. Unsere wirklich wahren Wünsche und Gedanken kann man dem Plappern im Schlaf nicht entnehmen.

Kann man was gegen das Reden im Schlaf tun?

Sofern das Reden im Schlaf nicht den Menschen stört, der neben einem liegt, gibt es eigentlich keinen Anlass, Maßnahmen gegen die Somniloquie zu unternehmen. Wenn man dennoch etwas machen will, könnten folgende Tipps hilfreich sein:

  • Alkohol, Nikotin und Koffein wirken sich negativ auf die Schlafqualität aus. Am besten vor dem Schlafengehen ganz darauf verzichten.
  • Einschlafrituale schaffen. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Einschlafrituale helfen Deinem Körper, entspannt in den Schlaf zu finden.
  • Gibt es in Deinem Alltag große Stresspotentiale? Überlege Dir, wie Du sie vermindern kannst. Vielleicht sogar, indem Du psychologische Hilfe in Anspruch nimmst.
  • Entspannung ist der Königsweg zu einem guten Schlaf. Autogenes Training kann Dir zum Beispiel helfen, Körper und Geist zu entspannen.

Hier findest Du weitere Tipps zur sogenannten Schlafhygiene. Bleibt uns nur, Dir eine gute Nacht zu wünschen und einen erholsamen Schlaf.

FAQ

Wann spricht man im Schlaf?

Häufig reden Menschen während der Traumphase (REM-Phase) im Schlaf. Forscher haben Zusammenhänge zwischen Träumen und Reden im Schlaf herausgefunden. Auch in den Non-REM-Stadien kann es vorkommen, dass der schlafende Mensch redet.

Was ist Somniloquie?

Somniloquie bedeutet, dass ein Mensch in Verbindung mit dem Schlaf spricht. Das Spektrum der Somniloquie reicht über die Aussprache von klaren Worten und ganzen Sätzen bis hin zum Äußern von undifferenzierten Lauten.

Warum jammert man im Schlaf?

Umfassend erforscht ist das nicht. Da im Traum Alltagsprobleme verarbeitet werden, kann das Jammern oder Weinen Ausdruck einer psychologischen Belastung sein, die im Alltag nicht wirklich verarbeitet worden ist.

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